Aus „Göttinnen Geflüster" von Amy Sophia Marashinsky
Wenn es einen männlichen Gott gibt, sollte es dann nicht auch eine
weibliche Göttin geben? Als ich in den 50er Jahren im jüdischen Glauben
aufwuchs, lernte ich, an einen allmächtigen Gott zu glauben, der den Mann nach
seinem Bild geschaffen hat. Sehr bestätigend für die Männer! Die weiblichen Bilder
andererseits waren nicht so positiv. Ich sollte glauben, Eva sei verantwortlich
für die Vertreibung aus dem Garten Eden. Das Paradies war verloren wegen einer
Frau, einer Schlange und einem Apfel. Mir wurde gesagt, dass alle Frauen unter
Schmerzen ihre Kinder gebären müssen - und das nur wegen Eva! Und LILITH, Adams
erste Frau wurde als Dämonin eingestuft und kaum erwähnt. Sie hatte sich Adam
verweigert und ihn verlassen, weil sie bei ihrer körperlichen Vereinigung nicht
unter ihm liegen wollte. Doch obwohl ich meine weibliche Natur unterdrückte,
um in der männlichen Welt erfolgreich zu sein, hatte ich grosse Schwierigkeiten,
die jüdisch-christlichen Werte meiner Erziehung zu verinnerlichen. Ich konnte
einfach nicht glauben, das eine Hälfte der Welt minderwertig sein sollte, nur
weil sie weiblich war, d.h. nicht nach Gottes Bild geschaffen. Ich musste die
Wahrheit herausfinden. Viele Jahre später entdeckte ich, dass es vor dem
Patriarchat und seinem männlichen Gott eine weibliche Göttin gab, die von allen
alten Völkern verehrt und angebetet wurde. Ich entdeckte, dass es eine Zeit gab,
in der Frauen als Richterinnen, Gesetzgeberinnen, Würdenträgerinnen, Priesterinnen,
Herrscherinnen und Landbesitzerinnen geachtet und geehrt wurden - eine Zeit, in
der Frauen Macht hatten. Und ich entdeckte, dass „Geschichte" nichts anderes ist,
als die Geschichte der feindlichen Übernahme der Zivilisation der Göttin durch
die männlichen, kriegerischen Götter. Schliesslich hatte ich die Wahrheit herausgefunden.
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